Muss ein Kleingewerbe Steuern zahlen?

In diesem Beitrag werde ich dir nützliche Informationen zum Thema Kleingewerbe und Steuern vermitteln, denn aus meiner Erfahrung kursieren an den Stammtischen sehr viele Unwahrheiten und viel Halbwissen, und mir ist es wichtig, dass du gut informiert bist, sodass du auf der sicheren Seite bist und für dich immer die richtigen Entscheidungen treffen kannst.

 Was ist ein Kleingewerbe? Ein Kleingewerbe könnte eine nebenberufliche Tätigkeit sein, sprich du bist hauptberuflich als Angestellter tätig, hast aber ein Hobby und siehst da geschäftliche Möglichkeiten, bist aber nicht in der Lage, das sofort vollberuflich umzusetzen, weil du erst einmal schauen möchtest, wie dein Angebot angenommen wird. Aus diesem Grunde entscheidest du dich dazu, das nebenberuflich zu machen. Auf der anderen Seite könnte es auch sein, du bist arbeitslos, Rentner, Pensionär, und sagst, ich habe noch etwas Zeit und möchte mir ein bisschen was dazu verdienen, möchte aber auf keinen Fall eine Vollberuflichkeit aus meiner selbständigen Tätigkeit machen und demzufolge von vornherein klarstellen, ich bin ein Kleinunternehmen und möchte auch so behandelt werden.

Erleichterung bei der Umsatzsteuer

Als Steuerberater muss ich dir an der Stelle sagen, dass es in den meisten Steuerarten erstmal völlig unerheblich ist, ob du ein Kleingewerbe oder ein Vollgewerbe anmeldest. Das Finanzamt fragt dich grundsätzlich erstmal nicht danach, was du mit deiner Zeit so anstellst. Du kannst auch ein Gewerbe anmelden und nur 10h pro Woche arbeiten, wenn du damit so viel Geld verdienst, dass du davon leben kannst, ist das völlig in Ordnung. Der einzige Punkt, wo es hier im Steuerrecht einen wirklich wesentlichen Unterschied gibt, das ist bei der Umsatzsteuer der Fall. Das Umsatzsteuergesetz kenn im §19 UStG diese sogenannte Kleinunternehmerregelung, von der du schon mal gehört hast. Die Kleinunternehmerregelung besagt, dass du, sofern deine Einnahmen nicht größer sind als 17.500 €, keine Umsatzsteuer ausweisen musst und an das Finanzamt keine Umsatzsteuer abführen brauchst. Das ist in jedem Fall eine Erleichterung.

Welche anderen Steuerarten sind beim Kleingewerbe relevant?

Die anderen Steuerarten, sprich Gewerbesteuer sowie Einkommensteuer kennen diese Unterscheidung zwischen Kleingewerbe oder eben hauptberuflichem Gewerbe oder hauptberuflicher Freiberuflichkeit überhaupt nicht. Hier gelten genau die gleichen Vorschriften - natürlich gibt es ein paar Vereinfachungen, aber diese zielen nicht auf Kleingewerbe als solches ab. Bei der Einkommensteuer ist es bspw. so, dass du als kleines Gewerbe - ich möchte hier mal diesen Begriff einführen - deinen Gewinn ermitteln kannst, indem du deine Einnahmen aufschreibst und deine Ausgaben gegenüberstellst. Der Differenzbetrag ist dann eben dein Gewinn bzw. Verlust. Dieses Ergebnis fließt dann in deine Einkommensteuererklärung ein.

Gewinnermittlung als Kleingewerbe

Du musst als Kleingewerbe eine Gewinnermittlung erstellen, wobei es hier noch eine Erleichterung gibt. Wenn du weniger als 17.500 € Einnahmen oder Ausgaben hast, dann musst du nicht die vom Finanzamt vorgeschriebene Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen. Aus Erfahrung würde ich sagen, da kommst du ohne dich mit Steuersoftware bzw. ELSTER-online auszukennen, nicht vernünftig voran. Es bliebe dir wahrscheinlich nur der Weg zum Steuerberater, der für dich diese Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt, sodass du dann in der Folge deine Einkommensteuererklärung erstellen kannst. Wenn du also weniger als 17.500 € Einnahmen hast, dann bist du hier formfrei und es reicht generell ein Excel-Sheet, wo du deine Einnahmen aufschreibst und unten deine Ausgaben vermerkst - der Differenzbetrag ist dann das, was versteuert wird. Wenn du über 17.500 € Einnahmen hast, musst du hier die erwähnte Einnahmen-Überschuss-Rechnung, die von der Finanzverwaltung vorgegeben ist, erstellen. Wir Steuerberater machen das professionell mit Hilfe einer professionellen Steuersoftware und diese ist überall anerkannt, sowohl beim Finanzamt als auch bei Banken usw. Sowas würde ich dann immer auslagern.

Wann herrscht eine Bilanzpflicht?

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung kannst du so lange erstellen, bis du 50.000 € Gewinn oder 500.000 € Umsatz nicht überschreitest. Wenn du einen dieser beiden Werte überschreitest, müsstest du sogar eine Bilanz erstellen. Ich kann mir das auch vorstellen, dass man bei einem kleinen Gewerbe sogar diese Werte überschreitet. Stell dir vor, du bist nebenberuflich als Immobilienmakler tätig und du vermittelst einmal im Jahr den Verkauf einer Immobilie für 600.000 € oder du verkaufst sie sogar selber, dann kommst du schnell über diese Grenze und musst dann sogar bilanzieren, wenn es schlecht läuft. Die 500.000 € bzw. 50.000 € Grenze wird zum 01.01.2016 im Übrigen auf 60.000 € bzw. 600.000 € angehoben. Das soll die Bürokratie ein Stück weit entlasten, die natürlich kleinere Unternehmen viel stärker zu spüren bekommen, als es bei größeren der Fall ist. Das ist der hauptsächliche Aspekt.

Hinweis zur Gewerbesteuer:

Hinzu kommt noch eine kleine Entlastung was die Gewerbesteuer betrifft, und zwar wenn dein Gewinn nicht größer ist als 24.500€, brauchst du keine Gewerbesteuererklärung abgeben. Hast du demgegenüber aber einen Verlust, dann musst du wieder eine Gewerbesteuererklärung abgeben, weil das Finanzamt natürlich deinen Verlust feststellen muss.

Fazit

Das sind im Großen und Ganzen die wichtigsten Aspekte, die im Kleingewerbe tatsächlich berühren. Was du mitnehmen solltest ist, dass steuerlich grundsätzlich erstmal nicht unterschieden wird zwischen Kleingewerbe und Vollgewerbe bzw. normalem Gewerbe. Diese Unterscheidung gibt es aus meiner Erfahrung lediglich beim Arbeitsamt oder beim Jobcenter. Dort ist die Frage, ist es ein Neben- oder Hauptgewerbe - hier siehst du auch schon an der Formulierung, ein Kleingewerbe ist kein Begriff, der tatsächlich irgendwo institutionell ist, das ist eher so ein umgangssprachlich entwickelter Begriff und der spielt für dich grundsätzlich erstmal keine Rolle, weil du trotzdem in jedem Fall eine Einkommensteuererklärung abgeben musst, du wirst eine Umsatzsteuererklärung abgeben und ggf. in Abhängigkeit von der Höhe deines Gewinns auch eine Gewerbesteuererklärung.

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